Vier Jahre CIRCONOMY® – ein Blick auf die (Zwischen-)Ergebnisse

»Zirkuläre Innovationen entstehen oft erst an Schnittstellen«

Interview mit Hartmut Pflaum, 24. Juli 2026

Harmut Pflaum
© Fraunhofer CCPE/Mike Henning
Dr. Hartmut Pflaum ist Projektleiter der CIRCONOMY®-Initiative.

Vor vier Jahren wurde CIRCONOMY® ins Leben gerufen. Ziel der Initiative: Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Gesellschaft in Innovationsökosystemen zu vernetzen und zirkuläres Wirtschaften schneller in die Praxis zu bringen. Seitdem hat sich das Thema von einer Zukunftsvision zu einem zentralen Baustein der Innovations- und Transformationspolitik entwickelt. Welche Impulse CIRCONOMY® bereits setzen konnte, wo Unternehmen aktuell auf dem Weg zur Zirkularität stehen und warum langlebige Produkte für ihn eine besondere Rolle spielen, erläutert Projektleiter Dr. Hartmut Pflaum im Interview.


Wenn Sie auf die vergangenen vier Jahre zurückblicken: Was hat CIRCONOMY® aus Ihrer Sicht bereits erreicht?

Hartmut Pflaum: Mit dem CIRCONOMY®-Konzept von Fraunhofer waren wir früh dran – vielleicht etwas zu früh. Mitten in der Corona-Zeit haben wir einen zukunftsweisenden Ansatz entwickelt, um durch virtuelle, hybride oder physische Vernetzung so etwas wie Reallabore zu schaffen, in denen die wichtigen Innovationen für zirkuläres Wirtschaften in die Umsetzung gebracht werden. Unternehmen, Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Gesellschaft finden in gemeinsamen, flexiblen Innovationsökosystemen – unseren CIRCONOMY® Hubs – Lösungen für die Mission »Mehr Zirkuläres Wirtschaften«. Diese Missionsorientierung – damals erst in Ansätzen im Innovationssystem verankert – gehört heute zum Standard: Innovationsökosysteme haben es bis in den Koalitionsvertrag und die Hightech-Agenda geschafft. Auch die aktuelle Ausschreibung zu den Transfer-Hubs des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) zielt genau in die Richtung, die wir 2021 mit CIRCONOMY® vorgedacht haben. Unser erster Hub »Circular Carbon Technologies« in Bayern zeigt, dass wir die Theorie auch in die Praxis bringen können. Weitere Hubs sind in der Vorbereitungsphase.


Wo stehen Unternehmen aktuell auf dem Weg zum zirkulären Wirtschaften?

Hartmut Pflaum: Schaut man ins Lehrbuch, dann zielt zirkuläres Wirtschaften darauf, den Einsatz von aus der Umwelt entnommenen Rohstoffen zu senken, stoffliche Einträge in die Umwelt zu verringern und die Resilienz von Volkswirtschaften durch geringere Lieferabhängigkeiten zu verbessern. Schaut man auf die Zahlen weltweit oder auch in Europa, dann tun wir uns mit dem zirkulären Wirtschaften insgesamt noch ziemlich schwer. Lineares Wirtschaften dominiert viele Geschäftsmodelle.

In Teilbereichen sind wir aber auf mutmachenden Wegen: beim Umbau des Energiesystems weg von fossilen Energieträgern, bei innovativen und trotzdem langlebigen und reparierbaren Produkten deutscher Traditionsunternehmen oder innovativer Unternehmen der Recycling- und Kreislaufwirtschaft, die am Lebensende von Produkten Sekundärrohstoffe erzeugen und im Kreislauf halten. Energiebereitstellung, Herstellung und Recycling müssen beim zirkulären Wirtschaften Hand in Hand arbeiten, denn zirkuläre Innovationen entstehen oft erst an Schnittstellen. Die Fraunhofer CIRCONOMY® Hubs bringen diese Akteure zusammen und schaffen den Raum, um Innovationen umzusetzen und als Unternehmen Vorreiter zu sein.


Welche Rolle spielt Zirkularität für Sie persönlich?

Hartmut Pflaum: Für mich stehen eine lange Nutzungsdauer sowie die zugehörige Reparierbarkeit von Produkten ganz oben. Nicht nur, weil Ökobilanzen belegen, dass diese beiden Aspekte nachweislich stark zur Ressourcenschonung und Emissionsminderung beitragen, sondern weil ich mich einfach freue, wenn etwas, das ich benutze, lange hält. Ausnahme: Der technische Fortschritt bringt nachweislich effizientere und zirkulärere Angebote hervor.

Ich habe eine mittlerweile über 30 Jahre alte Motorsense geerbt, die erstens immer noch funktioniert und für die ich zweitens auch Ersatzteile bekomme, die mit etwas handwerklichem Einsatz – von mir oder einer Fachperson – das Gerät zu neuem Leben erwecken. Ich besitze (Leder-)Schuhe, die dank gelegentlichen Eincremens und Polierens ebenfalls seit über zehn Jahren von mir getragen werden. Das mag etwas verschroben klingen, aber die allgegenwärtige Verlockung nach immer kürzeren Nutzungszeiten und Lebenszyklen – vermeintlich modern genannt – ist in meinen Augen der größte Feind des zirkulären Wirtschaftens.